Chris' IT Guide to The Galaxy

Der Blog für Professionelle IT, Projektmanagement und Anhänger der digitalen Bohème

31. August 2013
von CJeske
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Agiles Projektmanagement mit Erfolg einsetzen (02) – Kundenanforderungen

Der Kunde weiß aus seiner Erfahrung, wie unwahrscheinlich es ist, dass das Team ein System liefert, das den Kundenwünschen entspricht. Das Team hat wiederum die Erfahrung gemacht, dass der Kunde nicht weiß, was er will, und in dem Moment, in dem das Team glaubt, die Kundenwünsche zu kennen, seine Meinung erneut ändert.[…]

– Ken Schwaber: Agiles Projektmanagement mit Scrum. Washington 2007, S. 56 –

Mit meinem ersten Beitrag zum agilen Projektmanagement bin ich mittendrin eingestiegen, ohne jedoch den ersten Schritt anzugeben: Aber am Anfang eines Projektes steht immer die Kundenanforderung. Das obere Zitat von Ken Schwaber, der mit Jeff Sutherland zusammen Scrum entwickelte, trifft oft die Problematik der Anfangssituation.

Aber wie kommt es dazu?

In den meisten Softwarefirmen wird das Wasserfall-Modell oder das V-Modell eingesetzt. Sie beschreiben einen Fluss von mehreren Punkten. Meistens Analyse- und Definition, Entwurf, Implementierung und Test. Nach jedem Punkt wird den Stakeholdern, also allen am Projekt Interessierten, die Ergebnisse präsentiert und überprüft, ob sich das Projekt in die richtige Richtung bewegt. Je tiefer im Projekt oder „Wasserfall“, desto schwerer oder kostenintensiver ist es, frühere unbeachtete Fehler zu korrigieren. Die Vorstellung, man fällt wirklich einen Wasserfall herunter zeigt deutlich: Es ist unmöglich wieder hoch zu schwimmen. Es sei denn, man bestelle einen Kran, der einen wieder hochzieht. Somit ist auch der Kunde daran interessiert, spät entdeckte Fehler oder Fehlinterpretationen zu ignorieren, damit seine Projektkosten nicht explodieren. Das Ergebnis ist ein Produkt, welches nur zum Teil oder im schlimmsten Fall gar nicht den Kundenanforderungen entspricht. Die Bezeichnung Wasserfall Modell passt somit wie die Faust aufs Auge. Viele Projekte ertrinken  unterwegs.

Aber was macht Agiles Projektmanagement besser und wo liegen seine Vorteile?  Es beruft sich auf kurze Iterationen und Inspektionszyklen. Am Anfang steht bei Scrum eine Kundenvision. Sie enthält den erwarteten ROI, die Releases und Meilensteine. Daraus entwickelt der Kunde zusammen mit dem Product Owner den sogenannten Product Backlog mit allen sich abzeichnenden Anforderungen. Das Team wählt nun aus diesem Product Backlog in dem sogenannten Sprint Planning Meeting Funktionen aus, welche sie innerhalb des nächsten Sprints (30 Tage) zu einem demonstrierbaren Prototyp entwickeln können. Mit diesem Sprint Backlog fängt das Team an zu entwickeln und überprüft alle 24 Stunden im Daily Scrum den Fortschritt. Am Ende jedes Sprints können der Product Owner und die Stakeholder das Projekt im Sprint Review Meeting anpassen.

Der Unterschied ist enorm. Dadurch, dass der Kunde alle 30 Tage Funktionen sieht, kann er Wünsche und Korrekturen kostengünstig äußern und umsetzten. Er sieht, was möglich ist und bekommt genau das, was er wünscht. Durch diese persönliche Einbindung des Kunden wird das Projekt qualitativ hochwertiger und der Softwareentwicklungsprozess schneller. Die Kundenvision, welche am Anfang stand, kann der Kunde durch Sehen des Machbaren immer neu ausrichten und diese folglich von Sprint zu Sprint immer realer erscheinen lassen.

Durch diese einfachen Methoden der kurzen Iteration kann man dem Fluch der Lasten- und Pflichtenhefte entkommen und den Kunden und das Entwicklungsteam wieder näher zusammenbringen.

Das Problempotenzial wird drastisch verringert und beide Seiten können Missverständnisse schneller korrigieren. Dadurch sind alle Beteiligten positiver gestimmt und bekommen ein zufriedenstellendes Ergebnis.

22. Juli 2013
von CJeske
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Im Deutschen Bundestag gibt es eine Petition für die Freie Wahl des Routers. Damit kein Telekommunikationsbetreiber bestimmen kann, welchen Router wir verwenden.

Einen ausführlichen Bericht findet man bei Heise unter

http://www.heise.de/ct/artikel/Providers-Freud-1886889.html.

Die Petition kann man hier mitzeichnen:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_21/Petition_43445.nc.$$$.a.u.html

2. Juli 2013
von CJeske
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Gamification – Jeder spielt!

Denn es um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

 – Friedrich Schiller 15. Brief, Über die ästhetische Erziehung des Menschen 1795 –

Menschen verbringen in Spielen Höchstleistung. Ob es nun beim Fußball, Golf oder StarCraft 2 ist und das tun sie freiwillig und unentgeltlich. Spiele regen unsere Kreativität an, motivieren, geben uns Ausgleich und fördern Gesundheit, Intelligenz und soziale Kompetenz. Ich spiele gerne! Ich spiele gerne Gesellschaftsspiele, Golf oder mit meiner Tochter und als Mitglied der sogenannten Generation-Y bin ich mit Computerspielen groß geworden und spiele auch diese gerne. Ich bin dabei nicht alleine. Laut Studien spielen 65 % der deutschen Internetnutzer Computerspiele  (Vgl. TNS / Gameindustry.com: 2009).

Aber was ist ein Spiel und warum verbringen Menschen so viel Zeit damit?  Johan Huizinga hat 1956 ein Spiel so definiert: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgelegter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewußtsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘“. (Homo Ludens; Vom Ursprung der Kultur im Spiel; Reinbek 1956).

Menschen haben also bei Spielen eine sehr hohe Motivation, freiwillig einer zum Teil komplexen Beschäftigung nachzugehen, welche bestimmten Regeln folgt und diese zu lernen. Computer bieten heutzutage die Möglichkeit, sehr komplexe Spiele zu erstellen. Moderne Computerspiele fördern Kreativität, Intelligenz als auch soziale Kompetenzen, erweitern das Allgemeinwissen und das Alles mit Spaß. (Alles was ein Fernsehabend bei RTL nicht bieten kann und nein, „Wer wird Millionär?“ zählt nicht zum Bildungsfernsehen ;-P) Gamification versucht, diese positiven Eigenschaften zu nutzen und implementiert Spielprinzipien und Prozesse in die Arbeitswelt. Es versucht, eine dauerhafte Verhaltensänderung zu erzeugen, damit Menschen positiver und motivierter bestimmte Dinge erledigen.

Das Prinzip Gamification funktioniert. Große Firmen wie SUN oder Microsoft verwenden Gamification in den verschiedensten Bereichen mit Erfolg. SAP hat zum Beispiel sein SAP Community Network seit April dieses Jahres um Spielprinzipien erweitert. Seitdem werden Punkte, Ränge und Erfolge für bestimmte Aufgaben verteilt, die Benutzer in der Community erledigen. Dadurch wird die Qualität und Quantität der Beiträge gesteigert und somit eine komplexe Wissenbasis für SAP Produkte geschaffen.

Gamification bedient sich verschiedenster Bausteine moderner Computerspiele und hat sehr viele unterschiedliche Aspekte die berücksichtigt werden müssen.

In Spielen werden Gesamtaufgaben in kleine kurze Häppchen unterteilt. So genannte Questreihen. In World Of Warcraft zum Beispiel musste man am Anfang, um Zugang zu einem bestimmten Gegner zu bekommen (Onyxia) einen Schlüssel erspielen. Diese Questreihe schickte den Spieler in alle Teile dieser virtuellen Welt, um verschiedenste Aufgaben zu erledigen. Dabei mussten die Spieler sich zum Teil mit anderen Spielern zusammentun, um die Teilaufgaben zu erledigen und manchmal stupide Aufgaben alleine erledigen. Verwende ich jetzt andere Begriffe, ist dies nichts anderes als Arbeit in einem normalen Unternehmen. Trotzdem machten Millionen von Spielern aus aller Welt dies aus Eigenmotivation freiwillig.

Ich versuche mal, dieses Beispiel auf ein Unternehmen zu projizieren. Als Jahresziel nehmen wir zum Beispiel den Abbau von Lagerhütern in der Summe von 100.000 €. Diese „Questreihe“ wird jetzt in verschiedenste Teilaufgaben unterteilt, welche alle Mitarbeiter aus dem Bereich bekommen. Einige sind wiederholbar („Finde einen Lagerhüter“) einige einmalig („Verschrotte Artikel X“). Für das Erledigen der Teilaufgaben gibt es Punkte (z.B. pro Lagerhüter ein Punkt) und Erfolge (z.B. Trophäe „CSI Lager – Sie finden 5 Lagerhüter“). Diese Erfolge werden für jeden sichtbar gemacht und als Ziele gesetzt. Zudem werden die Erfolge und der Status jedes Mitarbeiters öffentlich ausgestellt (Level, gesammelte Erfolge.) Zudem werden Teams gebildet, die in einer Tabelle nach Punkten angezeigt werden. Punkte können dann am Ende zum Beispiel in zusätzliche Urlaubstage gewandelt werden. Mit diesem Anfang wird aus einer langzeitstrategischen, unternehmerischen Planung ein Spiel.

Für Gamification gibt es keine Patentlösung. Für die jeweiligen Aufgaben und Mitarbeiter muss das Spiel neu erfunden werden. Wichtig ist, dass das Spiel langzeitmotiviert und direktes Feedback gibt, was wohl die wichtigsten Aspekte einer guten Spielifizierung ausmachen.

Gamification ist nicht einfach. Langeweile und Piontification (nur das Verteilen von Punkten) können es unterwandern und nur einen sehr kurzen Motivationsschub bewirken. Eine dauerhafte Verhaltensänderung ist damit nicht gegeben und anfängliche Erfolge können nicht wiederholt werden. Gamification ist ein zu aktualisierender Prozess. Die Herausforderung muss sich stets wandeln und dem „Spieler“ Abwechslung und mehr als nur Punkte bieten.

Gamification steckt noch in den Kinderschuhen und ob es ein Trend ist, der wieder abflaut oder sich fest in die Managementmethodik integriert, bleibt noch abzusehen. Jedoch ist das Potenzial vorhanden. Es bietet ein hohes Maß an Motivation und richtig eingesetzt kann man dauerhaft Menschen dazu bewegen, in langweiligen Aufgaben ein Spiel zu sehen, welches sie gerne spielen.

17. Juni 2013
von CJeske
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Agiles Projektmanagement mit Erfolg einsetzten (01) – Meetings

Seit je her bin ich im Projektgeschäft tätig. Schon in meiner Ausbildung habe ich individuelle Lösungen für Kunden programmiert, wobei Kundenorientierung immer im Vordergrund stand. Frühzeitig habe ich erkannt, dass Pflichten- oder Lastenhefte Vor- und Nachteile haben. Wenn ich zurückblicke sind die besseren Projekte durch klar definierte Ziele aus Anwendersicht geprägt worden und kamen ohne solche Anforderungslisten aus. Mit diesem ersten Beitrag möchte ich eine Serie starten, mit der ich meine Erfahrungen mit agiler Softwareentwicklung und agilem Projektmanagement berichte.

Mit agilem Projektmanagement können Projekte rapide und effizient zum Erfolg geführt werden. Schnelles Feedback und kurze Entwicklungszyklen fördern deutlich die Qualität und bewahren vor Fehlentwicklung. Leider gibt es auch viele Stolpersteine, wodurch die anfänglichen Ziele weit verfehlt werden können.

Ein großes Problem in der Softwareentwicklung ist das „Vorbeiprogrammieren am Kunden“. Ziele  müssen klar aus Anwendungssicht formuliert sein. Ist das endgültige Produkt falsch beschrieben, können nachträgliche Änderungen ziemlich teuer werden.

Richtig eingesetzt kann agiles Projektmanagement verhindern, dass ein Produkt entwickelt wird, welches den Anforderungen der Benutzer nur zum Teil oder gar nicht entspricht. Eine essentielle Voraussetzung besteht in der stetigen Kommunikation zwischen allen Projektbetroffenen. Durch wöchentliche Meetings mit den Stakeholdern (Interessenten) und täglichen Meetings des Projektteams kann ein effizientes Exceptionmanagement (Abweichungsmanagement) aufgebaut werden. In der Praxis können so schwammig definierte Projektpunkte konkretisiert und schnell korrigiert werden, falls  die Entwicklung sich in die falsche Richtung bewegt.

Allerdings stellen genau diese Meetings gleichzeitig die ersten Stolpersteine dar und dies in mehreren Aspekten.

Aspekt 1: Die Meetings müssen zeitlich begrenzt sein. Sie dürfen nicht zu lange dauern. Die täglichen Meetings sollten sich an einem Zeitfenster zwischen fünf und zehn Minuten halten und die wöchentlichen Meeting nicht über eine Stunde hinausgehen. Zu schnell wird sonst dazu geneigt, Themen zu zerreden und das Projekt unnötig in die Länge zu ziehen. Natürlich sollten bestimmte Problemstellungen zwischen den Verantwortlichen länger besprochen werden. Es ist stets bei den Meetings zu beachten, das es um das weitere Vorgehen im Projekt als Ganzes geht und Teilaufgaben nur als „in Arbeit“, „nicht gestartet“ oder „fertig gestellt“ besprochen werden mit der Angabe, wann noch offene Punkte abgearbeitet sein sollen. Dadurch haben alle Teammitglieder eine Übersicht über den Projektfortschritt.

Das wöchentliche Meeting hat zum Ziel den Stakeholdern eine Übersicht über die schon fertig gestellten Projektschritte zu geben und wie man im geplanten Zeitrahmen steht. Fragen, die beantwortet werden sollten, sind zum Beispiel: „Bewegt sich das Projekt in die richtige Richtung?“, „Werden in den schon fertig gestellten Teilaufgaben alle definierten Punkte richtig umgesetzt?“ oder „Befindet sich das Projekt im vereinbarten Zeit- und Kostenrahmen?“. Bei Meilensteinen sollte das Produkt auch immer zumindest als Prototyp mit den definierten Punkten präsentiert werden. Dadurch haben die Stakeholder auch konkrete Berührungspunkte zum Projekt und Missverständnisse können schneller erkannt und geklärt werden. Hier sollten auch Änderungen von Projektpunkten besprochen werden.

Die Umsetzung dieses Konzeptes mit Beachtung seiner einzelnen Aspekte erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Helfen können genaue Rollenverteilungen. Beim Einsatz des Scrum-Vorgehensmodells für agiles Projektmanagement von Jeff Sutherland und Ken Schwaber werden zum Beispiel sechs verschiedene Rollen verteilt. Dabei ist der Scrum-Master für die korrekte Einhaltung der Prozesse zuständig. (Die anderen Rollen: Entwicklungsteam, Product Owner Management, Customer und User werde ich in weiteren Einträgen dieser Serie genauer erklären)

Durch ein erfolgreiches agiles Projektmanagement kann ein Produkt schnell, kostengünstig und qualitativ hochwertig fertig gestellt werden. Jedoch erfordert dies die Disziplin aller Beteiligten und das Umdenken weg vom klassischen Pflicht- und Lastenheft, hin zu einer klar aus Anwendungssicht formulierten Zielsetzung.

23. Mai 2013
von CJeske
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Wir lieben unsere Kunden… Die Telekom und das funktional kaputte Internet

Ich habe lange überlegt, ob ich auch einen Blogeintrag zu den Drosselplänen der Telekom schreiben soll. Nach der allzu kompetenten Debatte im Bundestag von unseren rechtsstaatlichen Bediensteten, habe ich mich dazu entschlossen, dies auch zu tun.

Was ist eigentlich passiert und warum lohnt es sich, zu diesem Thema diesen gefühlten 1000sten Beitrag zu schreiben? Im April diesen Jahres entschloss sich die Telekom, eine Drossel bei Flatrates für Neukunden vertraglich festzusetzten. Somit sollen ab 2016 nach einem bestimmten Downloadvolumen (je nach Vertrag unterschiedlich) die Downloadgeschwindigkeit der DSL Leitung auf 384 kBit/s gedrosselt werden. Die Telekom gibt als Begründung das stetig wachsende Transfervolumen an, welches ein Ausbau der Netze notwendig mache. 80 Milliarden Euro sind nötig, um die Hausanschlüsse zu erweitern, damit das Netz für die Zukunft gerüstet sei. Unabhängig davon entstünde bei den Backbones ein Engpass, welche Benutzer mit hohen Datenvolumen verschärfen würden.

Im ersten Moment und für Oma Erna aus dem dritten Stock klingt das plausibel. Da verbraucht einer viel „irgendwas“ – also muss derjenige auch gebremst werden. Bei dem Vergleich des Telekomchefs mit dem laufenden Wasserhahn hätte ich Tränen gelacht, wenn das Ganze nicht so traurig wäre. Die Begründungen sind nämlich vollkommen aus der Luft gegriffen und grenzen schon an Täuschung. Der Telekom, oder wie der Chaos Computer Club in seiner Chaosradiosendung 189 passend formulierte Drosselkom, geht es einzig und allein um Monetarisierung. Was ist dran an den Argumenten?

Für die Engpässe bei Datentransfers im Internet gibt es keinen Beweis. Im Backbonebereich bestätigen zum Beispiel Sprecher des Internet-Knoten DE-CIX, das gerademal 6,25 Prozent der Bandbreite genutzt werden. Bis zu 40 Terabit/s seien möglich und derzeit werden zu Spitzenzeiten lediglich 2,5 Terabit/s verwendet. Die Backbones können also noch weit mehr Transfervolumen verarbeiten als heute benötigt wird. Welches Netz muss folglich ausgebaut werden? Die Telekom benötigt das Geld, um die letzte Strecke zu den einzelnen Hausanschlüssen auszubauen. Besser gesagt, um das Netz zu modernisieren, welches zum größten Teil der Steuerzahler damals in der guten alten Zeit, wo die Telekom noch 100% dem Staat gehörte, sowieso bezahlt hat. Aber ich unterstelle der Telekom einfach mal, dass es nicht um Netzaufbau geht. Denn mit der drastischen Geschwindigkeitsdrossel zielt die Telekom auf etwas ganz Anderes. Sie versucht damit, einen Aufpreis für Volumenpakete zu erzielen.

Stellen Sie sich vor, man kauft sich einen Porsche Panamera. Mit 300 km/h ist man auf den deutschen Autobahnen gut unterwegs. Nach 400 km zurückgelegter Strecke setzt auf einmal eine Drossel ein. Plötzlich kann das schöne Gefährt gerade mal 3 km/h fahren. Bei einem Anruf im Service sagt der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung: „Für 1000 € kann ich Ihnen nochmals 100 km mit voller Geschwindigkeit für diesen Monat bieten.“ – Dieser Vergleich ist  für mich passend. Die Drossel regelt nicht runter auf eine Geschwindigkeit, bei der es noch annehmbar ist im Internet unterwegs zu sein, sondern macht das Internet, wie Clemens aus dem Podcast mobileMacs erklärt hat, „funktional kaputt“. Man versucht damit, Volumenpakete zu verkaufen, wie es bei Mobilfunktarifen schon üblich ist.

Ein weiterer Aspekt ist die sogenannte Netzneutralität. Bestimmte Dienste, wie der Telekom TV-Dienst Entertain, sind aus diesem Datenverkehr nämlich ausgenommen. Sprich, die Telekom verschafft sich hier einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Diensten, wie zum Beispiel Maxdome, Lovefilm oder Watchever. Damit verletzt sie das Prinzip der Netzneutralität. Die Verbraucherzentrale NRW hat die Telekom diesbezüglich schon abgemahnt.

Abschließend kann somit festgehalten werden, dass dieser Fall also mehrere Aspekte aufweist. Zum einen die Monetarisierung  mit der Einführung von Volumenpaketen und zum anderen die Benachteiligung von Vielbenutzern und Konkurrenzdiensten.

Am Anfang fragte ich, warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu schreiben. Je mehr Leute im Netz darüber reden und je länger das Thema am Leben bleibt, gerät die Telekom unter Druck und muss von ihren Plänen Abstand nehmen oder das Thema wird für unsere rechtsstaatlichen Bediensteten interessant und das Prinzip der Netzneutralität wird endlich gesetzlich verankert.