Chris' IT Guide to The Galaxy

Der Blog für Professionelle IT, Projektmanagement und Anhänger der digitalen Bohème

18. Mai 2013
von CJeske
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Das Babelfisch-Problem

„Der Babelfisch […] ist klein, gelb und blutegelartig und wahrscheinlich das Eigentümlichste, was es im ganzen Universum gibt. Er lebt von Gehirnströmen, die er nicht seinem jeweiligen Wirt, sondern seiner Umgebung entzieht. Er nimmt alle unbewußten Denkfrequenzen dieser Gehirnströme auf und ernährt sich von ihnen. Dann scheidet er ins Gehirn seines Wirtes eine telepathische Matrix aus, die sich aus bewußten Denkfrequenzen und Nervensignalen der Sprachzentren des Gehirns zusammensetzt. Der praktische Nutzeffekt der Sache ist, daß man mit einem Babelfisch im Ohr augenblicklich alles versteht, was einem in irgendeiner Sprache gesagt wird. Die Sprachmuster, die man hört, werden durch die Gehirnstrommatrix entschlüsselt, die einem der Babelfisch ins Gehirn eingegeben hat. […]“

Douglas Adams: „Per Anhalter durch die Galaxis“,  S. 54.

Ich wünschte, solch einen Babelfisch würde es geben! –  Ich find‘ die Idee klasse! Er würde Projekte und vor allem Projektdefinitionen wesentlich vereinfachen.  Das Besondere an einem Babelfisch ist, dass er nicht einfach das Gesprochene übersetzt, sondern das Gemeinte übermittelt. Einige externe Dienstleister würden in vielen Projekten nur die Hälfte an Stunden berechnen können. Somit wäre der Babelfisch auch ein wahres Geheimrezept, um Kosten einzusparen.

In der Kommunikationstheorie gibt es verschiedene Modelle, die Kommunikation zwischen zwei oder mehr Teilnehmern beschreiben. Als Grundvoraussetzung für eine fehlerfreie Kommunikation in diesen Modellen wird jedoch ein gemeinsamer „Zeichensatz“ benötigt. Sprich: Alle verstehen unter einem bestimmten Wort das Gleiche und alle haben den gleichen Wortschatz. Ich denke, bei Wikipedia kann man dies als Beispiel eines perfekten Paradoxons aufnehmen. Klar ist ein Stuhl ein Stuhl. Aber bei Projekten geht es meistens nicht  um Büromöbel, auch wenn sie noch so ergonomisch geformt sind, sondern um komplexe Aufgaben und Abläufe.

Wenn Spezialisten aus verschieden  Bereichen aufeinander treffen, gibt es häufig bestimmte Begriffe, bei denen die Bedeutung für den Einen selbstverständlich sind und die wiederum bei Anderen ein spontanes „HÄH??“ verursacht. Zudem gibt es unternehmensspezifische Ausdrücke (die berühmt berüchtigten Insider), welche externe Mitarbeiter auch abteilungsfremde Mitarbeiter nicht verstehen. Bei Projektmeetings sollte man also stets darauf bedacht sein, eine verständliche „Sprache“ zu sprechen. Man sollte versuchen, sich in seinen Gegenüber kurz hinein zu versetzten. Vor allem aber sollte man eines tun: Wenn man etwas nicht verstanden hat, nachfragen! Nachzufragen ist für viele eine Hürde. Aber man kann nicht alles wissen. Vor allem bei fachfremden Ausdrücken. Einfach  Kopfnicken und dann später (so nach zwei bis drei Wochen im Projekt) zuzugeben, dass man doch nichts richtig verstanden hat, untergräbt die meist hart erarbeitete Glaubwürdigkeit komplett. Also lieber zugeben, dass man etwas nicht weiß.  Aber das ist nur ein Teil des Problems, welches sich durch den Babelfisch in Luft auflösen würde.

Ein größeres Problem ist, wenn in einem Projekt falsch formulierte Vorgaben gemacht werden oder gar nicht mit den Betroffenen geredet wird. Somit wird am Kunden vorbei entwickelt und mit dem Ergebnis kann keiner etwas anfangen. Zumal die Nachbearbeitung sehr kostspielig ist – und dadurch nie stattfindet. In der Informatik geht es darum, komplexe Aufgaben und Abläufe mit Computern und Programmen zu unterstützen. Dies setzt eine genaue Kenntnis der zu unterstützenden Bereiche voraus. Informatiker lernen jedoch meist nur die Informatikseite in ihrer Ausbildung. Logischerweise müssen somit besonders Anfänger im IT Bereich aufpassen und auch nachfragen, falls etwas nicht verstanden wurde. Jedoch sind gerade die Jungen ITler gehemmt und glauben, sie müssten alles wissen, denn ansonsten würden sie nicht ernst genommen. Doch wie Paul Watzlawick, einer der größten Sprachwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, schon feststellte: Man kann nicht nicht kommunizieren. Die Konsequenz dieser wesentlichen und doch einfachen Erkenntnis besteht darin, dass allein die Körpersprache einen verrät, wenn man bei etwas unsicher ist.

Werfen wir also einen Blick auf die Konsequenz des Ganzen: Viele IT Projekte holen nicht das Optimum an Verbesserung heraus oder scheitern gar durch mangelnde Kommunikation oder Verständnis der eigentlichen Abläufe. Gerade im Mittelstand gibt es komplexe Workflows, die meistens nicht dokumentiert sind und nur in den Köpfen der Sachbearbeiter geordnet werden.

Leider gibt es keinen Babelfisch. Wir können somit den Gegenüber oft nicht sofort verstehen. Die Kommunikation ist gestört und muss erst einmal wieder berichtigt werden; wichtige Zeit geht verloren. Aus diesem Grund ist eine gute Kommunikation im Projektmanagement unverzichtbar. Man kann viele Stress vermeiden, wenn zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt werden.

7. Mai 2013
von CJeske
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Excel „Ob Gift oder Medizin – die Dosis macht‘s“

Ich kam einmal auf einer Party mit einem sehr erfolgreichen Unternehmensberater ins Gespräch. Es ist immer schwer zu erklären, was mein Beruf ist. Bei Fachfremden sage ich meistens „Ich bin Informatiker“. Damit können die meisten etwas anfangen und ich werde dann oft gefragt, ob ich nicht ihren Router oder ihr WLAN einrichten könne. Dieses Mal jedoch wollte ich etwas konkreter werden. Als ich ihm erzählte, dass ich Spezialist für Predictiv Analytics sei, glühte seine Stirn nur so vor Fragezeichen. Nach fünf Minuten „Informatik für Fachfremde“ kam ein Satz von meinem Gegenüber, den ich schon oft gehört und jedes Mal gehasst habe. „Geht das nicht auch mit Excel?“  Ich dachte mir, eine längere Erklärung oder gar ein Disput über den Sinn oder Unsinn, was man mit Excel machen kann, geht auf einer Geburtstagsparty über den normalen Smalltalk hinaus ; und des Frieden Willens antwortete ich mit „Ja.“

Diese Anekdote ist leider wahr. Im Nachhinein plagt mich mein Gewissen! Ich hätte die Diskussion führen sollen! Es ist halt nicht möglich komplexe Prognosen aus umfangreichen Daten in Excel abzubilden. Nicht, dass ich diesem äußerst erfolgreichen Unternehmensberater seine Kompetenz absprechen will. Ganz im Gegenteil, ich halte ihn für sehr fähig. Doch auch die Kompetentesten sind nicht vor Fehlern gefeit und so nimmt der Missbrauch von Excel als Datenbank oder Universaltool seinen Lauf. Die ursprüngliche Funktion der reinen Tabellenkalkulation gerät dabei in Vergessenheit.

Die Beste und gleich schlechteste Eigenschaft von Excel ist, dass jeder damit besser oder schlechter umgehen kann. Somit ist es in vielen Fällen „DAS WUNDERMITTEL“; aber obwohl Excel eine sehr mächtige Tabellenkalkulation ist, bleibt Excel nur eine Tabellenkalkulation.

In meiner Zeit  als ITler, habe ich schon viel Schreckliches gesehen, was mit Excel angestellt wurde. Eine Firma ist sogar durch Excelmissbrauch in die Insolvenz getrieben worden. Keine kleine Firma, sondern ein gehobener Mittelständer, der sich einen Fehler in seinem „Kalkulationssheet“ erlaubte und somit Teile seiner Waren unter dem Einkaufspreis verkaufte. Ich könnte Seitenweise mit derartigen Excelmissgeschicken fortfahren aber das soll hier nicht das Ziel sein.

Excel sollte meiner Meinung nach nicht für unternehmenskritische Kennzahlengewinnung oder Kennzahlenhaltung verwendet werden. Dafür ist es einfach zu fehleranfällig. Man verrutscht in einer Zeile und schon ist das Malheur geschehen. Für höhere mathematische Berechnungen sollte man es ebenso wenig missbrauchen und zur Datenhaltung taugt es nicht besser als ein Post-It.

Als Konsequenz den Gebrauch eines so allgegenwärtigen Tools zu unterbinden, stellt allerdings keine adäquate Lösung dar. Sprichworte wie „Excel is SAPs best friend!“ heben gerade hervor, dass es ohne Excel teilweise nicht gehen kann, weil die Individualität in manchen Warenwirtschafts- oder ERP-Systemen fehlen. Zudem würden die IT-Abteilungen gar nicht mehr zur Ruhe kommen, sollten sie jeden Excelgedanken in einem Datawarehouse implementieren (Willkommen im BI-Grab). Es gibt jedoch gewisse Alternativen.

Ad-Hoc Reporting bietet heutzutage schon eine Menge Features, mit denen sich die meisten Excelsheets ablösen lassen. Dadurch ist die gleiche Datenbasis garantiert. (Somit haben alle Auswertungen zumindest die gleichen Fehler).

Auswertungen mit kleinen Datenmengen ohne Wiederholungspotenzial können ohne Probleme in Excel umgesetzt werden. Für alle anderen Auswertungen gibt es am Markt unterschiedliche Anbieter von Bussiness Intelligence Tools wie SAP Business Objects oder kostenlose Varianten wie Pentaho, die sich bestens für Unternehmensauswertung und Kennzahlengewinnung eignen.

Mit Excel lassen sich zwar recht einfach Ad-Hoc Reporte erstellen und auch ansprechend gestalten, jedoch sollte man genauestens hinsehen wofür man diese Auswertung braucht und ob ein reiner „Schnappschuss“ der Daten reicht. Man sollte mit Excel stets mit Bedacht umgehen und vor allem seine Versionierung im Griff haben, denn wie Paracelsus schon sagte:  Allein die Dosis macht das Gift.